Der Weg des kleinen Steaks — erzählt vom Steak
Dreißig Tage Ruhe, eine Bandsäge, eine rote Kiste und am Ende die Glut. Was ein Steak bei uns durchmacht, bevor es bei Ihnen auf dem Rost liegt — aufgeschrieben vom Chef, in der Ich-Form.
Die meisten Betriebe zeigen Ihnen ein Hochglanzfoto vom fertigen Teller. Unser Chef hat stattdessen fünf Absätze geschickt, geschrieben aus der Sicht eines Steaks, das nicht ganz begreift, was mit ihm geschieht — aber findet, dass es ihm eigentlich ganz gut geht.
Wir geben es weiter, wie es kam.
1 · Das schöne Zimmer
„Zuerst habe ich mich 30 Tage lang in einem schönen, sauberen Zimmer ausgeruht, mit Freunden, bei perfekter Temperatur und Luftfeuchtigkeit."
Dreißig Tage. So lange hängt das Fleisch bei geregelter Temperatur und Luftfeuchte, bevor überhaupt ein Messer drankommt. In dieser Zeit entsteht das, was Sie später schmecken — das Fleisch wird zarter, der Geschmack dichter. Abkürzen lässt sich das nicht. Man kann nur warten.
Auf dem ersten Foto hängt das Rippenstück noch am Haken, daneben der Anhänger mit Schlachtdatum und Nummer. Herkunft ist bei uns keine Behauptung, sondern ein Zettel, den man lesen kann.
2 · Getrennt
„Danach ging das kleine Steak zum Schneiden und fühlte sich zum ersten Mal von seinen Freunden getrennt."
Die Bandsäge geht durch Knochen und Fleisch, und aus einem langen Rippenstück werden einzelne Steaks. Hier entscheidet sich, wie dick Ihres wird — und Dicke ist kein Detail. Ein dünnes Stück ist innen längst durch, bevor außen etwas entsteht, das man Kruste nennen könnte. Deshalb sehen unsere Steaks so aus, wie sie aussehen.
3 · Ein Zimmer namens Kiste
„Wieder fanden wir uns in einem kleinen Zimmer namens Kista. Wir waren getrennt, aber doch wieder beisammen. Wir warteten auf das Verschönern."
Kista heißt Kiste. Das kleine Steak hält die rote Transportkiste für ein Zimmer — und ganz unrecht hat es damit nicht. Dort liegen sie nebeneinander, Ribeye neben T-Bone, und warten.
4 · Angezogen
„Sie haben uns hergerichtet. Wunderschön waren wir. Dann haben sie mich angezogen — vakuumiert — damit ich lange so schön bleibe."
Zugeschnitten, pariert, in Form gebracht. Dann kommt die Folie. Das Steak hält sie für Kleidung; in Wahrheit ist sie der Grund, warum es bei Ihnen so ankommt, wie es die Werkstatt verlassen hat.
5 · Ein warmer Ort
„Auf einmal fand ich mich an einem warmen Ort namens Roštilj wieder. Da erstrahlte ich in voller Schönheit. Die Säfte kamen in Gang und mein Duft war außergewöhnlich. Ich bin ja gespannt, was jetzt noch kommt."
Hier endet der Bericht, und das ist auch besser so.
Was danach kommt, liegt bei Ihnen: der Moment, in dem das Fett auf die Glut tropft und es zischt, der Geruch, der über den halben Garten zieht, und die zehn Minuten Ruhe danach, die man sich nehmen muss, auch wenn man nicht will.
Dreißig Tage Geduld hat das Steak schon hinter sich. Die letzten zehn Minuten schaffen Sie auch.
Wenn Sie es probieren wollen
Was hier durch die Bandsäge ging, steht bei uns als Steak und als Filet im Warenkorb. Beides wird nach Gewicht verkauft, und wir melden uns vor jeder Bestellung persönlich, um Zuschnitt und Endpreis zu klären.
Wie es dann auf den Rost kommt, hat der Chef ebenfalls aufgeschrieben: Steak einfach zubereiten — Stufe 1: medium.
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